„Macht hoch die Tür die Tor macht weit“ – so heißt es in dem bekannten Advents­lied. Auch dieses Jahr wollen wir die Ankunft Jesu feiern und das Weihnachtsfest begehen.

Aufgrund der momentanen Corona-­Situation und der einzuhaltenden Hygienemaßnahmen ist das jedoch nicht ganz so einfach. So hat sich der Kirchenvorstand mit Pfarrerin Leinweber und Pfarrer Zehender und vielen Ehren­amtlichen schon vor einigen Wochen Gedanken gemacht, wie eine schöne und gelungene Advents- und Weihnachtszeit stattfinden kann.

Doch aufgrund der aktuell geltenden Corona-Maßnahmen konnten auch viele dieser Ideen nicht so umgesetzt werden wie geplant. Aus diesem Grund haben wir unser Möglichstes getan, um Ihnen auf digitalem Weg die frohe Botschaft zu überbringen.

Frohe Weihnachten und Gottes Segen. Bleiben Sie gesund.

Ihr Pfarrer und Ihre Pfarrerin

Zum Heiligen Abend ...

Angst um Weihnachten

„Angst um Weihnachten“ – so titelte die Bildzeitung Mitte Oktober und zitierte mit diesen Worten unsere Kanzlerin Angela Merkel. „Angst um Weihnachten“ dabei ging es darum, dass Infektionen weiter steigen, Weihnachtsmärkte und Feiern in Gefahr sind – auch die privaten Feiern über die Weihnachtstage. Dürfen Millionen Deutsche wie sonst die Jahre über Weihnachten nicht zu ihren Familien reisen?

Diese Ängste wurden schon vor zwei Monaten geäußert – und einige davon sind war Realität geworden. Infektionszahlen sind gestiegen. Adventsfeiern wurde abgesagt. Weihnachtsmärkte fanden nicht statt. Und tatsächlich: Wir kommen in diesem Jahr anders zusammen als sonst. Das gilt für viele Familien. Das gilt auch heute für unseren Gottesdienst am Heiligen Abend. Kein vertrautes Ritual wie sonst: Man geht mit der Familie nachmittags bei Dämmerung in die schön geschmückte Kirche. Kinder führen uns traditionell die Weihnachtsbotschaft mit dem Krippenspiel vor Augen. Am Ende das O du fröhliche. Und irgendwie gehört auch das Warten in der Menge am Ausgang der Kirche mit dazu. Dabei trifft man Menschen, die man lange nicht mehr gesehen hat. So war Heiligabend doch immer. Das ist Weihnachten.

In diesem Jahr wollten wir eigentlich Gottesdienst draußen feiern. Nun ist auch das nicht möglich. Nichts Kuscheliges, kein Krippenspiel, keine Begegnung… Ist das Weihnachten? Ist am Ende die Angst um Weihnachten Realität geworden?

Ja, es ist anders als sonst. Lieb gewonnene Rituale können nicht alle gelebt werden. So mancher Mensch fehlt in diesem Jahr im Kreise der Familie. Da gibt es auch nichts schön zu reden. So wie damals vor 2000 Jahren. So richtig heimelig war es im Stall zu Bethlehem nicht. Auch nicht besonders warm oder annähernd komfortabel. Weder gab es eine fette Gans zu essen, noch einen guten Wein zu trinken. Die Hirten, die sich zum Stall aufmachten, werden vielleicht genauso gefroren haben, wie der ein oder die andere heute hier draußen beim Gottesdienst. Auch damals war alles anders. Und gerade ertönt die Stimme des Engels den Menschen damals wie uns heute:
Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

Dir ist heute der Heiland geboren. Dir, der Du heute einsam bist. Dir, der Du nicht weißt, wie Du über die Runden kommen sollst. Dir, der Du krank bist. Dir, der Du kein Dach über dem Kopf hast. Dir, der Du heute diesen Text liest – auch wenn alles anders ist.

Angst um Weihnachten? Nein, denn:
Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

Die Christmette

Gedanken aus der Christmette 2020

Gebet:

Du kommst, Gott, du kommst,
ich kann es kaum erwarten – besonders in diesem Jahr.
Du kommst in meine Welt,
du kommst in meine Dunkelheit,
du kommst in meine Furcht,
Du kommst, Gott, du kommst,
ich kann es kaum erwarten.
Komm, ja komm,
zeig mir den Weg.

AMEN.

Maria

Ich bin Maria. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als da auf einmal der Engel Gabriel vor mir stand. So mir nichts dir nichts – aus heiterem Himmel. Und als er mir dann noch die Botschaft Gottes sagte, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus: „Du, Maria, hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.“

Ich sollte den Sohn Gottes zur Welt bringen? Wie sollte das zugehen? Der Zweifel und die Furcht über das Ungewisse wichen schnell. Ich spürte: Gott selbst ist mit mir.

Josef

Ich bin Josef. Viele sehen mich als Randfigur – ob in der Weihnachtsgeschichte oder in der Krippe. Und viele Fragen mich: „Hast Du nicht damals gestaunt und dich gefragt, wie das alles sein kann?“ Natürlich habe ich das. Im Traum sagte mir ein Engel: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen, denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist“. Welcher Mann von Euch heute würde da nicht fragen, ob es ein schlechter Traum ist? Mir war aber schnell klar: Es ist etwas Himmlisches, was hier geschieht.  Und so tat ich, was der Engel mir sagte. Ich heiratete Maria und übernahm damit die Verantwortung als Vater. Das begann damit, dass ich dem Kind den Namen gab. Das fiel in die Zuständigkeit des Vaters. Gottes Sohn wird so von einem Handwerker adoptiert.

Ich war bereit, Gott zu folgen. Und da habe ich mehr in den Jahren darauf gestaunt als zu Beginn: Welch ein Segen hat unser Sohn Jesus der Welt gebracht.

Hirte

Mein Name ist Daniel, ich bin Hirte. Ich habe etwas ganz Erstaunliches erlebt. Als ich mit meinen Kollegen und unseren Schafen nachts auf dem Feld war, erschien uns eine große Lichtgestalt. Der ganze Himmel leuchtete wie die Sonne. Es war wunderschön! Und da sahen wir ihn, einen Engel, und er sagte zu uns: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ Ich konnte mich kaum regen. Ein Staunen hatte mich und meine Kollegen ergriffen. Wir besprachen uns und beschlossen, nach dem Kinde zu suchen von dem der Engel gesprochen hatte.

Ich konnte es kaum glauben. Wir Hirten sind arme Leute und haben nicht viel. Gott vergisst uns nicht. Er sieht uns und unser Leben und schenkt uns dieses Kind, das uns Heil bringen soll.

Esel

Mein Name ist großer Grauer, ich bin ein Esel. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als Maria und Josef zu uns in den Stall kamen. Maria war hochschwanger und irgendwie war mir schon klar, dass die beiden, Maria und Josef, bald zu dritt sein würden. Alles ging recht schnell. Noch in derselben Nacht kam das Kind zur Welt. Ein Junge, quicklebendig. Sie legten ihn in einer unserer Futterkrippen. Es war ja auch sonst nichts da. Die Geburt hat mich schon ziemlich ins Staunen versetzt. Doch ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Denn von wegen heilige, ruhige Nacht. Ständig ging die Stalltür auf und zu. Da kamen Menschen unterschiedlichster Herkunft von überall her. So was hab ich noch nicht erlebt. Alle brachten sie dem Kind Geschenke. Und da wurde auch mir klar, dass dieses Kind etwas ganz Besonderes sein musste.

Später erfuhr ich, dass der Kleine noch vielen Menschen geholfen und ihnen von Gott erzählt hat.   Ich selbst spürte schon damals, mit der Geburt dieses Kindes hat etwas ganz Großes begonnen für die Menschen und auch für uns Tiere.

Michael Zehender

Staunen kommt vom schweizerischen „stunen“ und bedeutet: starr blicken, erstarren. So ist es, wenn ich in diesem Jahr darauf blicke, wie schnell sich alles ändern kann. Vieles war und ist in diesem Jahr nicht möglich: so manche Begegnung nicht, so manches geplante und ersehnte Fest nicht. Und man stand so hilflos da, starr blickend. Und all das ist nichts gegenüber der Tatsache, dass viele Menschen einsam gestorben sind in Altenheimen und Krankenhäusern, dass viele Omas und Opas fast verzweifelt sind, wenn sie ihre Enkel lange Zeit nicht in die Arme schließen konnten. Von wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie mal ganz abgesehen.

Staunend blicke ich aber auch auf die vielen Menschen, die anderen geholfen und beigestanden haben, einkaufen gegangen sind, Briefe geschrieben haben, angerufen haben, Fensterbesuche gemacht haben und vieles mehr.

Staunend blicke ich so auch auf das Kind in der Krippe – auf Jesus. Selbst in solch prekärer Situation zur Welt gekommen wird er zum Friedensbringer, zur Hoffnung für diese Welt – gerade jetzt.

Susanne Leinweber

Maria, Josef, die Hirten, die Tiere und wir staunen vor dem was da vor rund 2000 Jahren geschehen ist. Ein Kind ist uns geboren! Und mit ihm sollen sich die alten biblischen Verheißungen erfüllen. Und noch heute staunen wir und spüren: Die Geburt Jesu ist etwas ganz Besonderes. Und wie erstaunlich: Immer wieder werden wir ins Staunen gebracht und unsere Herzen werden berührt. Heute Abend, am Heiligen Abend, feiern wir die Geburt Jesu vielfach anders als gewohnt. Wir sind nicht in gewohnter Weise beieinander und doch sind wir verbunden mit denen, die wir Lieben und die uns etwas bedeuten. Und auch denken wir heute besonders an die Menschen, die leiden unter Hunger, Krieg, Verfolgung und Gewalt. Gott schenkt uns durch dieses Kind in der Krippe Hoffnung und Zuversicht und so sprechen wir zu ihm:                                  Gott, wir staunen über das Kind in der Krippe, deinen Sohn. Wir danken dir, dass du durch Jesus zu uns kommst. Gott, die Geburt deines Sohnes Jesus Christus ist eine froh machende Botschaft gegenüber all den traurig stimmenden Nachrichten der Welt. Sie ist ein Zeichen der Hoffnung gegen die Macht der Verzweiflung. Wir danken dir für dieses Geschenk an uns. Herr, gib Frieden und Hoffnung auf Erden – im Nahen und im Fernen – bei uns und überall, wo Menschen zusammenleben. Amen.

Segen:

Gott schenke euch Staunen,
Gott schenke euch Licht,
das sanfte Raunen:
Fürchtet euch nicht!
So segne und behüte euch Gott,
Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Von und für die Obergeiser Kigo-Kinder

In diesem Jahr haben sich die Obergeiser Kigo-Kinder besonders ins Zeug gelegt, um trotz der geltenden Maßnahmen ein bisschen Krippenspiel-Gefühl aufkommen zu lassen.

Aus Datenschutzgründen ist die Ansicht des Videos den Kigo-Familien vorbehalten.